Pseudo-Maskulinismus in 110 Sekunden

Dieses Video zeigt, wie eine von einem Mann verprügelte Frau Hilfe kriegt, während ein von einer Frau verprügelter Mann ausgelacht wird. Zurecht wird es auf diversen Online-Plattformen thematisiert und mit dem Prädikat «erschreckend» gestreut. Soweit, sogut. Aber, liebe Facebook-Freunde und geschätzte Medien-Kollegen, habt nicht auch ihr euch vor einigen Tagen darüber lustig gemacht und es als «Kindergarten-Drama» und «Rumzicken» bezeichnet, als Solange Jay Z vermöbelte? Und statt mahnenden Worten lustige GIFs gebastelt, die Solange als «Jay Zs hundertstes Problem» bezeichnen? War das denn nicht dasselbe Szenario und sogar noch in echt? Doppelmoral als Antwort auf Doppelmoral? 

Dennoch finde ich es grossartig, dass ihr dieses Video thematisiert. Wenn Maskulinismus schon einmal auf Gehör stösst, ist das zu unterstützen. Schön wäre es nun, wenn ihr das Thema weiterzieht. Was ist mit Männerrechten? Mal darüber nachdenkt, warum Schwule als abartig und Lesben irgendwie als okay angesehen werden. Oder warum in diesen (auch von Kreti und Pleti geteilten) russischen Schwulenschläger-Videos keine Lesben verprügelt wurden. Oder ihr könntet mit jungen Vätern sprechen, die in einem Sorgerechts-Streit chancenlos waren und dort für Gleichberechtigung kämpfen.

Zurück zum Video: Gewalt gegenüber Männern wird definitiv anders wahrgenommen. Zudem haben Männer a) weniger Anlaufstellen, um sich Hilfe zu holen und b) nicht den Mut, dies zu machen. Weil man doch als Typ nicht zugeben kann, dass einem die Alte daheim schlägt.

Doch ist es nicht vielleicht auch kräftemässig einfacher, sich als Mann zu wehren? Ist es nicht auch logisch, dass Frauen (die sehr oft finanziell und somit existenziell von Männern abhängig sind) ihren Partner nicht anzeigen?

Die meisten Morde an Frauen geschehen durch ihre Ehemänner oder Exfreunde. Margret Atwood, eine kanadische Autorin und Aktivistin, fragte einst einen Freund, warum Männer sich von Frauen bedroht fühlen. Seine Antwort: «Sie haben Angst davor, ausgelacht zu werden.» Dann fragte Atwood Frauen, warum sie sich von Männern bedroht fühlen. Ihre Antwort: «Wir haben Angst davor, von Männern umgebracht zu werden.»

Gewalt-gegen-Maenner

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