Erwachsen werden – take one

Was man tut, wenn das traute Heim nicht mehr existiert, wie man Kindheitsideale anständig zu Grabe trägt, welche Kämpfe man als Twenty-Something aufgeben sollte, was aus dem Gefühl der Unbesiegbarkeit der Teenie-Jahre wurde, welchen Preis Freiheit wirklich hat und warum sich der ganze Scheiss unter dem Strich trotzdem lohnt.

Als Scheidungskind hofft man meistens noch Jahre nach dem Unhappy End, dass die Eltern doch noch zusammenkommen. Diese Hoffnung ist aber weder naiv noch kindisch, sondern begründet: Jemand muss ja dran glauben. Man lebt lieber in einer Wunschvorstellung, die auf Dauer Enttäuschungen bringt, aber auch Halt schenkt, als der hässlichen Wahrheit ins Auge zu schauen.

Ich glaube, darum gibts auch all die fundamentalen Christen. Die finden vielleicht auch manchmal, dass das mit Adam und Eva nicht wirklich aufgeht. Jedoch gibt ihnen der Glaube so viel Halt, dass sie die Zweifel ausblenden können und die Rechnung unter dem Strich aufgeht.

Willkommen in der Wirklichkeit

Growing up isn’t giving up – hab ich mir vor ein paar Monaten hinters Ohr geschrieben. Hat in der Praxis aber nicht wirklich funktioniert. Heute bin ich davon überzeugt, dass die Fähigkeit, Traumwelten aufzugeben, ein grosser Teil des Erwachsenwerdens ausmacht. Irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man sich dem Leben stellen und Dinge akzeptieren muss. Zum Beispiel dass die Welt nicht perfekt ist und nicht alle Menschen gut sind. Hat man diesen Punkt erreicht, tuts erst mal weh. Was ist mit meinem Kämpfer-Teenie-Ich passiert? Wo ist das Gefühl der Unbesiegbarkeit hin?

Ich begrabe momentan grad einen Teil meiner Kindheitsideale. Wer diesen Satz nicht versteht, war nie ein 23-jähriges Mädchen. Ein Teil der Bestattungszeremonie ist das Eingestehen, dass manche Beziehungen nie so sein werden, wie man sie gerne hätte. Zu sich ehrlich sein ist das Unbarmherzigste, was man machen kann. Doch es bedeutet, für sich zu sorgen, sich selbst zu lieben und sich zu erlauben, weiterzukommen. Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann. Und es gibt Kämpfe, die das Ausfechten nicht wert sind.

Quo vadis?

J.R.R. Tolkien schrieb einst: When home is behind, the world is ahead. Ich kann nicht mehr nach Hause. Mein Mädchenzimmer sieht nicht mehr aus wie damals, meine Sandkastenfreundschaft hat die Pubertät nicht überlebt, mein Quartier und die Leute darin haben sich verändert. Dafür steht mir die Welt offen. Wenn man den Schmerz loslässt, verlässt er einen. Ich war ehrlich zu mir selbst und erhielt im Gegenzug meine Freiheit.

So ähnlich steht es übrigens auch in der Bibel.

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One thought on “Erwachsen werden – take one

  1. Hach ich fühle mit dir.. Loslah isch wohl eini vode grösste Lektione im Lebe…

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