Monthly Archives: December 2013

Wie man sich in Würde von seinem Kindheitsidol verabschiedet

Das gefallene Pop-Sternchen Britney Spears wird 30. Zum Geburtstag viel Glück und ein offener Brief für die Heldin meiner Mädchenjahre.

Schon krass, Britney. Jetzt wirst du dreissig Jahre alt. Ich erinnere mich noch, damals 1999…«Baby One More Time» lief in allen Radiostationen rauf und runter. Du warst die Heldin aller Mädchencliquen weltweit und unsere beste Freundin. Wir Girlies sammelten Bravo-Poster von dir, performten deine Lieder in allen Mini-Playback-Shows und lernten alle Texte auswendig – auch wenn wir sie nie so genau verstanden. Im Nachhinein vielleicht besser so.

Ein Leben im Eiltempo

Du hattest dir deinen Erfolg verdient und musstest schon früh im Rampenlicht stehen. Etwa als Fünfjährige bei der amerikanischen Version von «Star Search». Doch irgendwie warst du niemals glücklich. Dein Videoclip zu «Lucky» hätte schon 2000 eine Warnung sein sollen. Wir hätten merken sollen, dass du mit dem ganzen Fame nicht klar kommst. 2003 dein erster kleiner Skandal: In einem Hauch aus weisser Spitze knutschst du vor aller Welt mit Madonna rum. Ein Jahr später gings bachab. Blitzheirat, Kevin Federline, kleine Skandale. Schon zu diesem Zeitpunkt begann die Presse damit, sich über dich lustig zu machen. Ich stand weiterhin hinter dir und rannte in der Schulpause in die Stadt, um dein «Greatest Hits»-Album zu kaufen. Freundinnen tun sowas.

Dann ging alles furchtbar schnell: Du wurdest Mutter, hast dir deine Haare abrasiert, gingst in die Reha-Klinik, verlorst das Sorgerecht für deine Söhne. Das war zuviel für meine Freundinnen und mich. Denn auch wir wurden langsam erwachsen und fühlten uns zeitweise schon fast etwas vernünftiger, als du es warst. Im Oktober 2007 hast du ein Comeback versucht. Dank «Piece Of Me» verstanden wir dich wieder. Richtig in Schwung kam deine Rückkehr jedoch erst 2008 mit dem Neubeginn «Circus». Die Scheibe hab ich dann auch wieder gekauft, ich wollte dir schliesslich noch einmal eine Chance geben.

Zeiten ändern dich

Doch der Zahn der Zeit nagt auch an dir. «Femme Fatale» erreichte nicht einmal annähernd den Erfolg der Vorgänger-Alben. Als du diesen Oktober ins Zürcher Hallenstadion zur Audienz batest, folgten lediglich 7’600 Anhänger deinem Ruf. Auch ich war nicht dort. Weils einfach nicht mehr wie früher ist. Du zwängst dich immer noch in kleine Kostüme, wirbelst deine Haare immer noch so cool herum und piepst uns immer noch süffige Popmelodien ins Ohr – aber das zieht einfach nicht mehr.

Ich blieb also zuhause. Für mich sollst du immer die Britney bleiben, die als Girl aus Louisiana mein Mädchenherz erobert hat. Zu deinem Geburtstag wünsche ich dir, dass du endlich erwachsen wirst. Ich hoffe, dass du bald wieder mündig gesprochen wirst. Dass du deinen Söhnen eine gute Mutter sein kannst. Und dass du endlich glücklich wirst.

You were born to make me happy. Nun schau zu dir selber.

(für tilllate.com, Dezember 2011)

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Die Leiden des jungen Werber

Mit «Roni Rännvelo» schuf Andrea Schneider eine grandiose Persiflage auf die Kämpfe moderner Grossstadtkinder.

Roni Rännvelo (zum Video) ist die Hauptfigur der Comic-Persiflage auf das Leben der Grossstadt-Hipster. Der Stadtfuchs erfüllt dabei alle Klischees: Er fährt Rennvelo, arbeitet als Grafiker, jobbt nebenbei als Velokurier, trägt Röhrlijeans, besucht Vernissagen und bedient sich eines Vokabulars voller Anglizismen. Ein Grosskotz. Wenig sympathisch.

Von Anpassung und Ausblendung

«Leute wie Roni sind überall. Sie sind zwar nervig, faszinieren aber auch», erzählt Macherin Andrea Schneider gegenüber tilllate.com. «Roni kommt vom Land und ist ein völliges Tier. Das Grossstadtleben fasziniert ihn.» Im urbanen Gefilde fürchtet er sich vor Ablehnung: «Er will so cool sein, wie die Städter. Dann guckt man halt ab.» Doch findet Roni Vernissagen und Video-Installationen wirklich cool? «Ja. Aber der Lebensstil wird aufs äusserste zelebriert und nicht hinterfragt», sagt die Zürcherin.

Das Tier im Manne

Doch so einfach lässt sich Roni nicht schubladisieren. Er besinnt sich auf traditionelle Werte und verwirklicht sich dennoch in einer digitalen Welt voller Video-Installationen und Foto-Projektionen. Er gibt sich damit zufrieden, ein unsichtbarer Teil des Szeni-Filzes zu sein und stellt sich dennoch mit einem Blog ins Rampenlicht. Er kennt die ganze Stadt und dennoch geht kein Gespräch über Small Talk heraus. Sogar Ronis Selbstverwirklichungs-Bühne, Zürich, scheint eine Identifikationskrise zu haben: Denn warum sonst sprechen immer alle von Berlin?

Im Comic ist Roni als Fuchs gezeichnet. Hier wird seine Zwiespältigkeit deutlich. Im Gespräch mit den Fuchseltern, welche seine Tätigkeit keineswegs und wortwörtlich nicht verstehen, fällt er sogar in seine Muttersprache zurück. Und manchmal rutscht Ronis Fuchsschwanz aus den Röhrlihosen raus – als Repräsentation fürs Animalische, Primitive – und Echte. Als Roni betrunken eine Party verlässt, sagt er: «Das Tier im Manne kommt anscheinend doch besser an.»

Die Generation ohne Eigenschaften

Die Reaktionen auf Schneiders Werk waren durchwegs positiv: «Auch Leute, die ein bisschen wie Roni sind, waren begeistert. Sie erkannten sich zwar, haben aber einen grossen Sinn für Ironie», erklärt die 26-Jährige.

Roni Rännvelo erzählt von Twenty-Somethings, die so viele Möglichkeiten haben, dass sie unfähig wurden, Entscheidungen zu treffen. Es ist ein erschreckendes und dennoch liebevolles Porträt einer Generation ohne Eigenschaften. Eine Kohorte, die sich in Individualismus flüchtet und in den Tag hineinlebt. Kinder der 80er-Jahre, überall und doch nirgends.

(für 20min.ch und tilllate.com, Januar 2013)

Lass uns doch mal über Geld reden

Lass uns doch mal über Geld reden

(Aufgezeichnet von Miriam Suter fürs Friday Magazine, 2011)

Protected: Glitzern tut nur die Discokugel

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Das grosse Bluffen

Cyber-Romeos, Vaterkomplex und Dirty Sanchez: Eine Woche All-Inclusive im ganz normalen Singlebörsen-Wahnsinn.

Wenn man nach einer Trennung den Schmerz mit genügend Typen und Vodka gekillt hat, ist man irgendwann wieder bereit für etwas Ernstes. Das muss nicht die grosse Liebe sein, mit der man ein Haus baut. Am Anfang sind nur schon Dates ein grosser Schritt. Deshalb habe ich mich für eine Woche bei einer Single-Börse angemeldet. Ich will anregende Gespräche. Aufrichtiges Interesse. Erste Küsse. Nüchternen Sex.

Hoi zäme

Ein grosses Schweizer Single-Portal scheint sympathisch. Beim Anmelden mache ich das, was alle machen. Ich suche das beste Bild von mir aus und schreibe eine kleine Lobeshymne über mich. Jetzt heisse ich «VanillaSkyy». Am ersten Tag verplempere ich viel Zeit auf «Date-Roulette». Das Tool schlägt mir ein paar Romeos vor und ich kann auf «Nächster», «Vielleicht» oder «Ja» klicken. Das ist lustig. Bis mich das System anpöbelt – ich sei zu wählerisch. In den nächsten 48 Stunden bin ich passiv. Die Konsequenz: Mein Postfach explodiert. Keine Ahnung, wo ich mit lesen anfangen soll.

Die Postfach-Autopsie

Am Donnerstag ziehe ich ein Fazit: Nur etwa fünf Prozent der Cyber-Romeos passen in mein Konzept. Das grösste Problem ist das Alter. Ich bin etwas über 20, habe eine gesunde Beziehung zu meinem Vater und brauche keinen Sugar Daddy. Das Durchschnittsalter von Single-Börsen liegt bei etwa 35.

Weiter gibt es haufenweise Perverslinge. Das Gute daran: Wortschatz-Erweiterung.  Ich weiss jetzt, was eine «Rainbow-Party» ist und was «Dirty Sanchez» zu bedeuten hat. Bei drei Typen heisst es: «Das Mitglied, das Ihnen diese Nachricht geschickt hat, hat sich mittlerweile abgemeldet.» Hat das Mitglied die Hoffnung verloren oder das Glück gefunden? Immerhin: Zwei einsame Herzen scheinen nett.

Wie im Film

Am Freitag- und Samstagabend geht’s zur Sache: Datenight! Ich treffe einen 23- und einen 27-jährigen Beau. Mit «Date» meine ich die «Er-zahlt-Essen-ich-trage-ein-hübsches-Kleid»-Nummer. Inklusive Gutnachtkuss nach dem zweiten Date vor meiner Türe. Hollywood-Kitsch – ich bin so.

Am Freitag stellt sich heraus, warum viele Online-Beziehungen scheitern. Alle bluffen – inklusive mir. Freitagabend-Typ übertreibt aber massiv. Er habe eben schampar viel Geld. Ich muss weg. Also sage ich, dass ich in die Redaktion müsse, weil der, der Nachtschicht hat, gerade Vater wurde. Keine Ahnung wie ich auf so Ideen komme. Mein Date glaubt es. Vom Samstagabend-Kandidat verspreche ich mir mehr. Er scheint nett, intelligent und witzig zu sein. Und natürlich sieht er gut aus. Das Date verläuft gut, aber ich fühl’s nicht. Am Ende zahle ich mein Essen selber und sage, dass der berühmte Funke leider nicht übergesprungen ist.

Back to Reality

Am Sonntagmorgen bin ich nachdenklich. Eine Woche Single-Börse war grosses Kino. Ich hatte interessante Chat-Unterhaltungen, zwei Dates und kann nun 17 Telefon-Nummern mein Eigen nennen. Im Gegensatz zum echten Leben hat man online zwar mehr Kontaktmöglichkeiten, weiss jedoch viel weniger, was man am Ende kriegt.

Fazit: Ich bin eher der Real-Life-Typ. Jemand, der zuerst anlächelt, in die Augen schaut und zuhört, wie tief seine Stimme ist. Jemand, der seine Hand auf der Schulter fühlen will, wenn ich ihm meine Nummer zustecke. Ich will am nächsten Morgen aufwachen und nicht wissen, was passiert. Will verzweifeln, wenn er nicht anruft. Will lächeln, wenn er es doch tut. Das echte Leben halt.

Das Mitglied, das Ihnen diese Nachricht geschickt hat, hat sich mittlerweile abgemeldet.

(für 20min.ch und tilllate.com, Juni 2012)

Erwachsen werden – take one

Was man tut, wenn das traute Heim nicht mehr existiert, wie man Kindheitsideale anständig zu Grabe trägt, welche Kämpfe man als Twenty-Something aufgeben sollte, was aus dem Gefühl der Unbesiegbarkeit der Teenie-Jahre wurde, welchen Preis Freiheit wirklich hat und warum sich der ganze Scheiss unter dem Strich trotzdem lohnt.

Als Scheidungskind hofft man meistens noch Jahre nach dem Unhappy End, dass die Eltern doch noch zusammenkommen. Diese Hoffnung ist aber weder naiv noch kindisch, sondern begründet: Jemand muss ja dran glauben. Man lebt lieber in einer Wunschvorstellung, die auf Dauer Enttäuschungen bringt, aber auch Halt schenkt, als der hässlichen Wahrheit ins Auge zu schauen.

Ich glaube, darum gibts auch all die fundamentalen Christen. Die finden vielleicht auch manchmal, dass das mit Adam und Eva nicht wirklich aufgeht. Jedoch gibt ihnen der Glaube so viel Halt, dass sie die Zweifel ausblenden können und die Rechnung unter dem Strich aufgeht.

Willkommen in der Wirklichkeit

Growing up isn’t giving up – hab ich mir vor ein paar Monaten hinters Ohr geschrieben. Hat in der Praxis aber nicht wirklich funktioniert. Heute bin ich davon überzeugt, dass die Fähigkeit, Traumwelten aufzugeben, ein grosser Teil des Erwachsenwerdens ausmacht. Irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man sich dem Leben stellen und Dinge akzeptieren muss. Zum Beispiel dass die Welt nicht perfekt ist und nicht alle Menschen gut sind. Hat man diesen Punkt erreicht, tuts erst mal weh. Was ist mit meinem Kämpfer-Teenie-Ich passiert? Wo ist das Gefühl der Unbesiegbarkeit hin?

Ich begrabe momentan grad einen Teil meiner Kindheitsideale. Wer diesen Satz nicht versteht, war nie ein 23-jähriges Mädchen. Ein Teil der Bestattungszeremonie ist das Eingestehen, dass manche Beziehungen nie so sein werden, wie man sie gerne hätte. Zu sich ehrlich sein ist das Unbarmherzigste, was man machen kann. Doch es bedeutet, für sich zu sorgen, sich selbst zu lieben und sich zu erlauben, weiterzukommen. Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann. Und es gibt Kämpfe, die das Ausfechten nicht wert sind.

Quo vadis?

J.R.R. Tolkien schrieb einst: When home is behind, the world is ahead. Ich kann nicht mehr nach Hause. Mein Mädchenzimmer sieht nicht mehr aus wie damals, meine Sandkastenfreundschaft hat die Pubertät nicht überlebt, mein Quartier und die Leute darin haben sich verändert. Dafür steht mir die Welt offen. Wenn man den Schmerz loslässt, verlässt er einen. Ich war ehrlich zu mir selbst und erhielt im Gegenzug meine Freiheit.

So ähnlich steht es übrigens auch in der Bibel.

Jungs, bringt mal selber Gummis mit

Ich bin schockiert, wie wenig sich einige Typen um Verhütung scheren. Und ich rede hier nicht von irgendwelchen zugedröhnten Nachtleben-Kreaturen an abgefuckten Raves, sondern von einigermassen kultivierten und gebildeten erwachsenen Männern. 

Kondome mitnehmen? Ich dachte, du hast eh. Verhütungsring? Nie gehört. Sieht das da unten denn für dich aus wie ein Haargummi-Depot? Sorry, echt nie gehört! Beide getestet? Cool, vamos. Krankheiten? YOLO. Jup, Verhütung scheint neu ein Mädelsjob zu sein.

Der Preis von Sex

Habt ihr Jungs einfach zu viele Pornos gesehen (in denen Kondome selten verwendet werden) und blendet das irgendwie aus? Gilt es als unmännlich oder gar spiessig, sich verantwortungsvoll zu zeigen wenns dreckig wird? Hat der männliche Körper einen derartigen Blutmangel, dass die Versorgung von Down Under und Hirn gleichzeitig nicht mehr funktioniert? Und wie zur Hölle könnt ihr vergessen, dass die Kinder Überraschung eure Zukunftspläne auch ruinieren würde?

Wir Girls findens übrigens auch mühsam, in der Apotheke für neun Franken (!) sechs Nummern kaufen müssen. Aber vergleicht das doch mal mit der geschätzten Million, die das Baby kosten würde.

Mit diesem Geld könnte man übrigens (Zufall?) 666’666 Mal geschützten Sex haben.

Warum syt dir so bünzlig?

Die Typen vom «Who Is Who»-Komitee haben mich im November zu einer der 200 populärsten Zürcher Persönlichkeiten des Jahres gewählt. Weil ich «der Inbegriff des digitalen Journalismus» sei und meinen Namen zur Marke gemacht habe. 

Leider habens die Jungs dann doch nicht fertig gebracht, einen anständigen Text über mich zu schreiben, sondern haben eine sexistische Satire mit persönlichen Angriffen und aus dem Zusammenhang gerissenen Facebook-Beiträgen veröffentlicht. Dass einer der ausgewählten Posts ein sehr ernst gemeinter Beitrag für mehr Toleranz war, ging dabei total verloren. Dafür wissen WW-Leser jetzt, dass ich nur Röckli trage und blonde Haare habe. Die wichtigen Dinge halt. Item. Hier der ganze Post:

«Mann, ihr Street-Parade-Hater macht mich so hässig. Habt ihr eine Ahnung, wie viele Lesben, Schwule und Transen 364 Tage darauf warten, sich mal nicht rechtfertigen zu müssen? Wie viele Freaks es geniessen, einen scheiss Tag im Jahr nicht doof angeguckt zu werden? Und ihr motzt hier auf FB rum nur weil ein paar Stunden im Jahr mal ein paar schräge Vögel ihre Überzeugungen leben können? Geht doch nach Hause wichsen.»

Kindheitserinnerungen

Meine Mom ist weggezogen aus dem Quartier, in dem ich aufgewachsen bin. Der totale Mindfuck. Ein Liebesbrief an die Strasse, die meine Welt war. 

Ein Quartier voller Kinder, Katzen, Kreidemalereien und Kirschbäumen. Ein Universum, das bis zum Ende der Strasse ging, weil weiter schon eine Welt anfing, die noch heute eigentlich zu gross ist. Regenwürmer. Riesige Sandkästen. Knisternde Zähne. Unendlichen Versteckis-Plätze. Bäume, von denen wir beim Klettern hinunterfielen. Spital Thun-Simmental. Coole Narben.

Kaulquappen in Gonfigläsern. Mutproben auf gefrorenen Weihern. Margritli-Kränze und grüne Grasflecken. Knie, die noch heute verbeult sind. Seefeldfest. Eltern, die schon früh Toleranz beibrachten und über die wichtigen Dinge diskutierten. Weisse Weihnachten. Weite Horizonte. Eine Kindheit, deren reale Welt so reich war, dass wir ganz selten vor den Fernseher oder Computer flüchten mussten.

Willkommen auf meinem Blog! Read me maybe?

Mein erster Blog (The Art Rookie) war so unvollständig, dass ich ihn nie veröffentlicht habe. Der zweite Blog (Voyage Voyage) wurde in 47 Ländern gelesen. Flugangst ist mein drittes Baby. Und so kam es auf die Welt: 

Vor einem halben Jahr betrat ich an einem sonnigen Maitag mit neuen Schuhen und alten Wunden den Boden der Grande Nation. Mit massenweise seelischem Übergepäck machte ich Montmartre zu meinem neuen Zuhause. Es folgten zwei Monate schlafen, essen, träumen, Ausstellungen, Filme, Bücher. Stets begleitet von viel Wein, vielen Gesprächen mit Fremden, vielen Tränen und vielen kleinen Wundern (hier gehts zum Paris-Blog).

Wachstumsschmerz

Ich habe endlich die wichtigste Beziehung meines Lebens begonnen: Die zu mir selbst. Die Beziehung, die zwar nicht die schönsten Blüten treibt, aber die tiefsten Wurzeln schlägt. Weil ich in Zürich echt kein ruhiges Wochenende fertigbringe, bin ich vor drei Wochen wieder in der Lichterstadt gelandet.

Im Gegensatz zu mir blieb in Paris alles beim Alten. Und das ist auch gut so: In meinem 8 à Huit arbeiten immer noch dieselben Leute, mein Quartier kenne ich immer noch auswendig, der Boho-Bub arbeitet immer noch in der einen Bar und als es in der Metro nach Pisse und Seife roch, kamen mir vor nostalgischer Rührung fast die Tränen. In Montmartre angekommen, sah ich das rosa Karussell und all die Orte, an denen ich ab und zu mal eine fremde Hand zwischen den Beinen hatte.

Jetzt erst recht

Wie fest man sich verändert hat, zeigt sich manchmal erst ein paar Monate später. Manchmal muss man nochmals untendurch, um zu realisieren, wie stark man geworden ist. An einer denkwürdigen Party kamen gestandene Journalisten zu mir und sagte, sie seien früher auch mal ehrlicher gewesen und ich solle mich ja nicht ändern.

Drum mache mit diesem Blog das, was ich am Besten kann: Menschlich und authentisch über Leben und Leiden in den Roaring Twenties schreiben. Flugangst widerspiegelt den Zeitgeist meiner Generation und dokumentiert den Lebensabschnitt, in dem man eigentlich flügge wäre, aber wegen all der medialen Scheisse zu verunsichert ist.

Was du hier findest? Überlebenstipps für Twenty-Somethings. Nostalgische Erinnerungen. Sehnsucht. Ironische Selbsreflexion. Gesellschaftskritisches. Unterhaltung. Mal was Ehrliches.